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Erwachsene in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben

In Deutschland gibt es mehr als sieben Millionen Erwachsene, die als funktionale Analphabeten bezeichnet werden – also nicht ausreichend lesen und schreiben können (leo – Level-One Studie 2011). Davon sind rund vier Millionen erwerbstätig. In Nordrhein-Westfalen leben umgerechnet 1,5 Millionen Erwachsene, die große Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Funktionale Analphabeten können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, nicht jedoch zusammenhängende und kürzere Texte.

Die internationale OECD-Studie PIAAC hat Alltagskompetenzen Erwachsener untersucht und festgestellt, dass viele Erwachsene sehr geringe Grundkompetenzen haben. 17,5 % der Erwachsenen in Deutschland kommen nicht über die unterste Lesekompetenzstufe und 18,5 % nicht über das grundlegendste Rechenniveau hinaus (PIAAC 2012). Laut PIAAC ist die digitale Welt für viele Erwachsene ebenfalls eine große Herausforderung: 45 % der Erwachsenen verfügen nur über geringe (Stufe I oder weniger), 29 % über mittlere (Stufe II) und 7 % über hohe (Stufe III) technologiebasierte Problemlösekompetenzen.

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Erwachsene mit geringen Schriftsprachkompetenzen sind erwerbstätig

Bild: BWNRW

Hinreichende Alphabetisierung und Grundbildung sind einerseits wesentliche Voraussetzungen individueller Beschäftigungsfähigkeit und wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Teilhabe. Andererseits sind Arbeitgeber darauf angewiesen, dass ihre Beschäftigten als Fachkräfte über ein hinreichendes Grundbildungsniveau verfügen. Durch die Entwicklung neuer Technologien und die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt haben sich vielfältige Arbeitsprozesse kontinuierlich gewandelt.

Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Arbeitstätigkeiten und somit an die Qualifikation von Erwerbstätigen gestiegen. Nicht zuletzt mit Blick auf den demographischen Wandel und die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist es sinnvoll, die Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung stärker in den Fokus der beruflichen Weiterbildung zu nehmen. Wird die Weiterbildungsbeteiligung differenziert nach PIAAC Kompetenzniveaus betrachtet, zeigt sich, dass das Weiterbildungsverhalten in Deutschland auf den hohen PIAAC Kompetenzstufen besonders ausgeprägt und überdurchschnittlich ist. Auf den niedrigsten Kompetenzstufen liegt die Beteiligung der deutschen Bevölkerung ein Prozentpunkt unter dem OECD Durchschnitt (Deutschland: 29%, OECD: 30%). Ohne ausreichende Lese- und Schreibkompetenzen scheitern viele berufliche Weiterbildungsangebote bzw. werden erst gar nicht wahrgenommen.

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Erwachsene in NRW haben Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben

Bild: BWNRW Neuere Studien der Universität Hamburg und der Stiftung Lesen haben herausgefunden, dass funktionaler Analphabetismus weniger tabuisiert ist, als ursprünglich angenommen.

Innerhalb der eigenen Sozialschicht ist funktionaler Analphabetismus kein Tabu. Ca. 60 % der mitwissenden Beschäftigten unterstützen betroffene Kollegen, z. B. bei Schreibarbeiten im Job. Vertrauenspersonen, wie beispielsweise der Lebenspartner oder Freunde, geben ebenfalls wichtige Hilfestellungen. Betroffene werden laut der Studie aktiv unterstützt bzw. gedeckt. Was für den Betroffenen kurzzeitig eine Hilfe ist, wird langfristig keine nachhaltige Lösung sein. Es wird verhindert, dass eine entsprechende Weiterbildung zur Vermittlung von Schriftsprachkompetenzen in Anspruch genommen wird. Das Wissen über das Problem ist da, aber es wird zu wenig darüber gesprochen. Die Arbeitswelt ist dennoch ein erfolgsversprechender Ansatz, praxisnahe Lernangebote durchzuführen, vorhandene Mitarbeiterpotenziale besser zu erschließen und somit Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.