AlphaGrund beim Parlamentarischen Abend von unternehmer nrw im NRW-Landtag

Beim Parlamentarischen Abend der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen e. V. (unternehmer nrw) am 25.04.2018 in der Bürgerhalle des Landtags war neben zahlreichen Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden auch das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. (BWNRW) vertreten. Das BWNRW präsentierte dort den rund 500 Gästen aus Wirtschaft und Politik die Angebote zur Förderung arbeitsplatzorientierter Grundbildung im Rahmen des Projektes AlphaGrund. Auch der Präsident von unternehmer nrw, Arndt G. Kirchhoff, informierte sich am Stand des BWNRW über die Unterstützungsmöglichkeiten für funktionale Analphabeten im Betrieb.

 

 

Broschüre: Arbeitsorientierte Grundbildung (AoG) in NRW – Gute Praxis in kleinen und mittleren Betrieben

Der Bedarf der Wirtschaft an geeigneten Fachkräften nimmt in vielen Bereichen zu. Daher lohnt es sich für Unternehmen, auch die Förderung von Grundkompetenzen bei Geringqualifizierten in den Blick zu nehmen. Von arbeitsorientierten Grundbildungsangeboten profitieren die Unternehmen ebenso wie an- und ungelernte Beschäftigte: Fehler bei der Auftragsbearbeitung oder der Bedienung von Maschinen nehmen ab, Betriebsabläufe und Arbeitsergebnisse verbessern sich, die individuelle Beschäftigungsfähigkeit steigt. Das Besondere an den AoG-Angeboten ist, dass sie arbeitsplatznah durchgeführt werden und sich inhaltlich an den konkreten Entwicklungsbedarfen der Beschäftigten an ihren jeweiligen Arbeitsplätzen orientieren. Neue Lernformate wie bspw. das Einzel-Coaching wurden erprobt und ermöglichten oft eine rasche Weiterentwicklung der beruflichen Handlungskompetenzen.
Diese Broschüre stellt einige erfolgreiche Praxisbeispiele arbeitsorientierter Grundbildung in kleinen und mittleren Unternehmen in Nordrhein-Westfalen vor, die wir als Herausgeber im Rahmen unseres Projektes »GRUNDBILDUNG.NRW« (gefördert durch die nordrhein-westfälische Landesregierung und den Europäischen Sozialfonds) zusammen mit den Projekt »Gruwe« (Lernende Region – Netzwerk Köln e.V./bbb Büro für berufliche Bildungsplanung, R. Klein & Partner GbR) und den Unternehmen konzipiert und umgesetzt haben.

Sie finden zudem einen Fachbeitrag, der die arbeitsorientierte Grundbildung als wichtigen Baustein für die Arbeitsmarktintegration von ausländischem Personal in der ambulanten Pflege thematisiert. Zudem berichten zwei Beschäftigte mit Grundbildungsbedarf, warum sie als Erwachsene noch einmal mit dem Lernen begonnen haben.

Die hier vorgestellten Praxisbeispiele zeigen anschaulich, wie es gelingen kann, die beruflichen Handlungskompetenzen von an- und ungelernten Beschäftigten zu stärken. Die Nutznießer sind sowohl die Unternehmen, die ihre Beschäftigten flexibler einsetzen und mit neuen Aufgaben betrauen können als auch die Beschäftigten, die diese veränderten Aufgaben sicherer und selbstbewusster bewältigen – eine klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

 

Download: Broschüre „Arbeitsorientierte Grundbildung (AoG) in Nordrhein-Westfalen“

 

 

 

AlphaGrund- Fachtag 2017: „Wandel der Arbeitswelt – Qualifizierung von An- und Ungelernten als Herausforderung“

Das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft (BWNRW) beteiligt sich seit rund zwei Jahren am bundesweiten Projekt AlphaGrund. Im Rahmen dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes entwickeln die Partner aus acht Bildungswerken der Wirtschaft und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Instrumente zur Förderung der Grundbildung geringqualifizierter Beschäftigter im Unternehmen. Am 19.10.2017 fand in Köln der AlphaGrund-Fachtag statt, bei dem der fachliche Austausch der Projektpartner mit Unternehmen, Personalverantwortlichen und Verbandsvertretern im Fokus stand.

Vor den rund 75 Teilnehmern betonte die Leiterin der Koordinierungsstelle Dekade der Alphabetisierung vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Karin Küßner, dass arbeitsplatzorientierte Grundbildung auch weiterhin ein wichtiger Förderschwerpunkt bleibe, zumal 27% aller Hilfskräfte einen Bedarf an arbeitsplatzorientierter Grundbildung hätten. Im Lesen und Verstehen von Arbeitsanweisungen, Sicherheitsanweisungen und Bedienungsanleitungen lägen oftmals die größten Schwierigkeiten bei vielen geringqualifizierten Arbeitnehmern.

In einer Zwischenbilanz des Projektes berichtete Dr. Sigrid Schöpper-Grabe darüber, dass im Rahmen von AlphaGrund bislang 77 Grundbildungsschulungen stattgefunden haben. Im Mittelpunkt des Fachtages standen verschiedene Praxisbeispiele für die erfolgreiche Umsetzung arbeitsplatzbezogener Grundbildung. Hierzu zählten Unternehmen wie die adidas AG in Rieste und die LDK Gebäudereinigung GmbH in Schwetzingen. Marc Berggold, Betriebsleiter der LGK Gebäudereinigung GmbH, berichtete in einer Talkrunde über die Grundbildungsschulung in seinem Unternehmen, in der die Kommunikation am Arbeitsplatz und Deutsch als Zweitsprache über einen Zeitraum von drei Monaten geschult wird. Zu den oft genannten Zielen der beteiligten Unternehmen zählten die Verbesserung der Kommunikation und der Arbeitsprozesse im Betrieb. Der AlphaGrund-Fachtag war aus Sicht der Projektpartner eine erfolgreiche Veranstaltung, nicht zuletzt, weil sich im Anschluss neue Kontakte zu interessierten Verbänden und Unternehmen ergeben haben.

Weitere Informationen zum AlphaGrund Fachtag auf: http://www.alphagrund-projekt.de/nachrichten/alphagrund-fachtag-2017.html

Einladung AlphaGrund-Fachtag

Damit geringer qualifizierte Erwerbstätige ihre Beschäftigungsfähigkeit in einer ständig digitaler und internationaler werdenden Arbeitswelt erhalten können, sind zukünftig niederschwellige Weiterbildungsansätze erforderlich. Das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft bietet seit 2015 u.a. im Rahmen des Projektes AlphaGrund maßgeschneiderte betriebliche Grundbildungsmaßnahmen für diese Zielgruppen an. Die AlphaGrund–Projektpartner möchten Sie zum AlphaGrund-Fachtag am 19. Oktober 2017 im Institut der deutschen Wirtschaft Köln einladen. Zunächst richtet sich der Fokus des Fachtags auf erfolgreiche AlphaGrund-Praxisbeispiele und Kriterien für gelingende betriebliche Grundbildungsmaßnahmen. Daran anschließend möchten wir gemeinsam mit Ihnen diskutieren, welche Potenziale und Herausforderungen der Wandel der Arbeitswelt für die betriebliche Qualifizierung von An- und Ungelernten mit sich bringt und warum es sich lohnt, die arbeitsplatzorientierte Grundbildung zukünftig stärker in die betriebliche Personalentwicklung für Geringqualifizierte einzubeziehen.
Genauere Informationen zum Fachtag finden Sie in der Einladung.

Programmübersicht: Einladung AlphaGrund-Fachtag 2017

Anmeldung unter: info@alphagrund-projekt.de

 

BWNRW und „AlphaGrund“ auf Jobmesse „Sowi goes Arbeitsmarkt“

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf veranstaltete im Juli 2017 eine Pionierveranstaltung – die Jobmesse für Absolventen aus den Bachelor- und Master- Studiengängen der Sozialwissenschaften. Trotz regnerischen Wetters kamen 300 Studierende zur Jobmesse, um sich über berufliche Optionen und das Studium zu informieren. Mitarbeiter und Dozenten des Fachbereichs Sozialwissenschaften freuten sich mit 29 Ausstellern über eine hohe Anzahl motivierter und interessierter Studentinnen und Studenten. Diesen wurde auf der Messe eine breite Palette an beruflichen Perspektiven vorgestellt. Das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. (BWNRW) stellte Tätigkeitsbereiche in Arbeitgeberverbänden und deren Bildungseinrichtungen vor. Dabei präsentierte das BWNRW auf der Jobmesse auch das Projekt „AlphaGrund“, in dem Angebote zur Förderung arbeitsplatzbezogener Grundbildung entwickelt und geringqualifizierte Beschäftigte unterstützt werden.

Bildquelle/Urheberrechte: Medienlabor Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

AlphaGrund-Infostand auf der 47. Mitgliederversammlung des Bildungswerks der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V.

Auf der 47. Mitgliederversammlung des Bildungswerks der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. (BWNRW) im Juli 2017 war auch Bildungsreferentin Aida Arzhang mit einem AlphaGrund – Infostand vertreten. Zu den zahlreich geladenen Gästen im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung zählten Verbandsmitarbeiter, Netzwerkpartner, Mitgliedsunternehmen, Gewerkschaftsvertreter, Ministerien, Kammern und Schulvertreter. Die rund 75 anwesenden Gäste erhielten im Rahmen der Veranstaltung die Möglichkeit, sich am AlphaGrund-Infostand über die Grundbildungsangebote des BWNRW sowie über die Fördermöglichkeiten für Unternehmen und Mitarbeiter im Rahmen des Projektes AlphaGrund zu informieren. Als Hauptreferent hielt Dirk Werner vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln einen Vortrag, mit dem Titel „Die Digitalisierung des Lernens – Potenziale der digitalen Bildung für die betriebliche Qualifizierung“. Die Mitgliederversammlung sowie der anschließende Gedankenaustausch bei einem gemeinsamen Imbiss boten einen guten Rahmen, um auf die Projektangebote aufmerksam zu machen.

 

Grundbildung am Arbeitsplatz in der Dienstleistungsbranche: Textilpflege Weber aus Krefeld

„Wir sind als Familienunternehmen bereits seit über 50 Jahren in der Textilpflegebranche tätig. Inzwischen sind wir mit vier Filialen im Kreis Krefeld vertreten und beschäftigen aktuell 35 Mitarbeiter/-innen. Mit den aktuellen Schwierigkeiten des Dienstleistungssektors haben aber auch wir zu kämpfen. Die Arbeitsbedingungen in unserer Branche sind auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv: Öffnungszeiten wie im Einzelhandel, inklusive Samstagsarbeit, meist Einfacharbeitsplätze, die keine Ausbildung voraussetzen und die relative geringe Entlohnung. Dies sind nur einige Faktoren, die zu Mitarbeiterfluktuation führen. Neue motivierte Mitarbeiter zu finden ist aber schwierig.“ schildert Christoph Weber, Junior-Geschäftsführer der Firma Weber, die aktuelle Unternehmenssituation.

Christoph Weber hat vom Angebot der arbeitsplatzorientierten Grundbildung erfahren und sich an das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. (BWNRW) gewandt: „Unser Ziel ist es, die Ursachen für die Fluktuation herauszufinden, die Arbeitsbedingungen wie auch das Betriebsklima zu verbessern und die Flexibilität und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhöhen. Können arbeitsplatzorientierte Grundbildungsschulungen hier helfen?“

Bereits im ersten Beratungsgespräch wurde schnell klar, dass arbeitsplatzorientierte Grundbildung (AoG) auch kleinen Unternehmen viele Möglichkeiten bietet. AoG umfasst neben der Förderung von sprachlichen und schriftlichen Grundkompetenzen auch die Verbesserung von sozialen und kommunikativen Grundfertigkeiten, wie Teamfähigkeit und Selbstorganisation. Die Zielgruppe sind Erwerbstätige ohne oder mit einem arbeitsplatzfremdem Berufsabschluss, deren Grundkompetenzen für die Anforderungen des Arbeitsplatzes nicht ausreichen.
Nach einer umfassenden Bedarfsanalyse im Unternehmen (Fragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit und Qualifikationen, Team- und Einzelgespräche) zusammen mit unserer AoG-Trainerin Christiane Houben wurden folgende Störfaktoren identifiziert:

  • die Einarbeitung ständig neuer Mitarbeiter,
  • das zu geringe Fachwissen bei einigen Kollegen (evtl. bedingt durch eine zu kurze bzw. unvollständige Einarbeitung),
  • unvollständiger Informationsfluss unter den Kollegen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse und/oder unterschiedlicher Arbeitszeiten im Schichtsystem,
  • keine klare Kommunikation von Zuständigkeiten,
  • interne Konflikte, die nicht vollständig gelöst wurden u.a.

Die Qualifikationsanalyse ergab zusätzlich, dass fast die Hälfte der Beschäftigten keinen Berufsabschluss hat und ein Drittel der Mitarbeiter weniger als drei Jahre im Unternehmen sind. Die meisten Beschäftigten der Firma Weber gehören somit zum Kreis der geringqualifizierten Erwerbstätigen, die bei Verlust ihres Arbeitsplatzes häufig von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind.

Um die verschiedenen Störfaktoren im Betrieb zu beheben und die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu sichern, wurden vom BWNRW zwei Grundbildungsschulungen konzipiert:

  1. Arbeitsplatzorientierte Deutschkenntnisse und Alphabetisierung: Verbesserung berufsbezogener sprachlicher und schriftlicher Kompetenzen; 1 x pro Woche je 2 UE (1,5 h), Teilnahme freiwillig nach der Arbeitszeit;
  2. Grundlagen der Kommunikation im Team und im Service: Grundlagen der Kommunikation mit Kunden, Umgang mit Reklamationen, Vermeiden von Missverständnissen und Lösen von Konflikten im Team, Förderung von kommunikativen und kooperativen Fähigkeiten und Fertigkeiten; ca. 35 Teilnehmer/-innen, Schulungen mit unterschiedlichen Arbeitsteams in den jeweiligen Filialen, Durchführung flexibel je nach Bedarf, je 2 UE (1,5 h), Teilnahme verpflichtend und während der Arbeitszeit.

Die Durchführung der ersten Maßnahme erforderte am Anfang einige sensible Gespräche von Seiten der Geschäftsleitung mit den potentiellen Teilnehmer/-innen. Die Angst vor Weiterbildungsmaßnahmen ist bei Personen mit unzureichenden sprachlichen Kenntnissen oftmals sehr groß. Die ersten zwei Schulungen fanden daher im Rahmen der Arbeitszeit statt. Dies genügte um die Teilnehmer/-innen von der Effektivität der Schulung zu überzeugen, die nun sehr engagiert und motiviert an der Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse arbeiten.
Auch die regelmäßigen Teamsitzungen, die in den jeweiligen Filialen eingeführt wurden, z. T. nach Aufgabenbereichen getrennt (Themen je nach Bedarf: allgemeine Informationsvermittlung, z. B. zum Thema Kommunikation, Krisenintervention, Anliegen/Bedürfnisse der Mitarbeiter sowie der Chefetage) sind sehr produktiv. Die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt und die Bereitschaft, die Arbeitskraft motiviert für den Betrieb einzusetzen, ist ebenso gestiegen wie die Identifikation mit dem Betrieb.

Christoph Weber ist positiv überrascht: „Ich habe nicht erwartet, dass bereits nach drei Monaten solche Veränderungen eintreten. Seit Beginn der Schulungen haben wir keinen Mitarbeiter mehr verloren. Die Bereitschaft, für fehlende Mitarbeiter einzuspringen und die Arbeitszeit anzupassen, wenn es gerade personell eng ist, ist gestiegen. Das Betriebsklima hat sich sehr verbessert. Der Krankheitsstand und die Fehlzeiten sind gesunken. Die Betriebsabläufe wurden optimiert. Ausgewählte Mitarbeiter werden als eine Art Vorarbeiter eingesetzt, die die Filialleitung im Arbeitsalltag entlasten.

Die Kommunikation untereinander ist reibungsloser, das Verständnis für den Anderen ist gestiegen. Auch ich als Leitung habe dazugelernt, verstehe meine Mitarbeiter und deren Bedürfnisse besser. Die gemeinsamen Termine haben die Teambildung verstärkt und die Mitarbeiter und auch mich sehr motiviert.

Es kostet den Betrieb, trotz der Förderung im Rahmen des Projektes, vor allem zu Beginn der Maßnahme viel Energie, diese durchzuführen (Organisation, Freistellung von Mitarbeitern mit zum Teil Stillstand des Betriebs je nach Schulung). Wichtig ist, dass alle Ebenen sich daran beteiligen, auch ich als Leitung bin gefordert. Eine genaue Bedarfsanalyse ist für den Erfolg von arbeitsplatzorientierter Grundbildung eine wichtige Grundlage. Wichtig ist auch die Passung zwischen dem Unternehmen und dem Coach, der die Maßnahme begleitet. Mein Fazit: Der Einsatz lohnt sich für beide Seiten.“

 

Bild links: Geschäftsführer Hans-Willi Weber und Christoph Weber, Textilpflege Weber

Bild rechts: Christiane Houben, Trainerin für arbeitsplatzorientierte Grundbildung und Christoph Weber, Textilpflege Weber

 

 

 

Schulung von Grundkompetenzen in der Gastronomie: Praxisbeispiel GOP varieté und theater in Bad Oeynhausen

Im vergangen Jahr wurde bei GOP varieté theater Kaiserpalais in Bad Oeynhausen eine Pilot-Inhouse-Schulung im Bereich der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung durchgeführt: „Deutsch für den Service und die Großküche & Kommunikation am Gast„.

Einmal in der Woche vor der eigentlichen Schicht, trafen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Service und der Küche in der Weinstube des Hauses. Dort fand regelmäßig eine Schulung von Grundkompetenzen statt, mit dem Ziel geringqualifizierte Mitarbeiter in ihrer sprachlichen Kompetenz zu fördern und den serviceorientierten Umgang mit Gästen zu schulen.

Janine Wattenberg, Serviceleiterin bei GOP schildert die Arbeitssituation: „Unsere Servicekräfte haben ein anspruchsvolles Tätigkeitsfeld zu absolvieren. In unserem Hause finden unterschiedliche Events statt. Neben den Theatervorstellungen, die acht Mal wöchentlich stattfinden, betreuen wir zwei Restaurants, Caterings, Tagungen, Hochzeiten, Abi-Bälle und vieles mehr. Die Mitarbeiter springen zwischen verschiedene Restaurants und Veranstaltungsstätten hin und her. Hohe Professionalität, Flexibilität und der kompetente Umgang mit unseren Gästen sind dabei besonders wichtig. Einige unserer Mitarbeiter haben einen Migrationshintergrund. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist eine Grundvoraussetzung für die Arbeit am Gast. Wir haben festgestellt, dass einige Mitarbeiter Schwierigkeiten bei der Verständigung haben, mit den Gästen aber auch untereinander. Bei der Beschriftung zum Beispiel von Buffets oder beim Lesen von Checklisten konnte es zu Missverständnissen kommen. Unsere Mitarbeiter sind hoch motiviert und leisten großartige Arbeit. Wir suchten nach einer Möglichkeit unsere eigenen Mitarbeiter weiter zu qualifizieren, damit sie den  hohen Anforderungen gewachsen sind. Gerade in der Hotel- und Gastronomiebranche ist das Angebot von qualifizierten Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt gering. Daher wandten wir uns an das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. (BWNRW) und baten um Unterstützung.“

Bereits nach dem ersten Beratungsgespräch stand die Lösung fest: Schulung der Grundkompetenzen, wie das Lesen, Schreiben und Verstehen der deutschen Sprache, aber auch der kompetente Umgang mit Gästen. Mit Jutta Stobbe, Hauswirtschaftsmeisterin und erfahrene Anleiterin in der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung, wurde ein individuell, auf den Bedarf von GOP zugeschnittenes Konzept erstellt. GOP stellt seine Mitarbeiter für die Zeit der Schulung frei. Die Unterrichtszeit gilt als Arbeitszeit. Nach anfänglichen organisatorischen Schwierigkeiten (Urlaubsplanung, Krankheiten, Umbauten usw.) waren alle ausgewählten Mitarbeiter an Bord und nahmen an der Grundbildungsschulung teil.

Auch Jutta Stobbe ist von Grundbildungsmaßnahmen am Arbeitsplatz überzeugt: „Natürlich ist die Skepsis groß. Gerade geringqualifizierte Mitarbeiter haben Angst vor der Lernsituation, da sie nicht wissen was auf sie zukommt. Sie haben oft schlechte Erfahrungen in der Schule gesammelt. Meine Aufgabe ist es, besonders das Selbstbewusstsein zu stärken und die Freude am Lernen zu wecken. Mit dem Lernen von arbeitsplatzspezifischen Wörtern und Redewendungen, die bereits Stunden später direkt am Arbeitsplatz ausprobiert werden können, ist der Lernerfolg greifbar. Alltagssituationen, wie eine Gastreklamation, werden anhand von Rollenspielen geübt und stärken das Selbstvertrauen sowie die Kompetenz, mit diesen Situationen umzugehen. Natürlich führt eine Schulung von zwei Stunden pro Woche nicht sofort zum Erfolg, aber langfristig wird es sich für das Unternehmen und die Mitarbeiter positiv auszahlen.“

In den Wintermonaten wurde mit den Grundbildungsschulungen ausgesetzt. Denn da ist bei GOP Hochsaison. Janine Wattenberg ist sich aber sicher: „Die Resonanz aller Beteiligten auf die Schulung war durchweg positiv. Arbeitsrelevante Grundkompetenzen sind in unsere Branche sehr wichtig. Das individuell auf unseren Bedarf zugeschnittene Schulungskonzept ist sehr effektiv. Im Frühjahr geht es sicher weiter.“

Sie haben Interesse an arbeitsplatzorientierten Grundbildungsschulungen in Ihrem Unternehmen? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir beraten Sie gerne.

 

Alphabetisierung und Grundbildung – 4. Quartalstreffen Projekt AlphaGrund im BWNRW

Das 4. Quartalstreffen des Projektes AlphaGrund fand im Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e.V. (BWNRW) in Düsseldorf statt. Die beteiligten Bildungswerke aus ganz Deutschland stellten ihre aktuellen Projektaktivitäten vor, darunter neben den Sensibilisierungsmaßnahmen auch die verschiedensten Grundbildungsschulungen. Geschult wurden u.a. ungelernte Gabelstaplerfahrer, Arbeitskräfte in der Mülltrennung von Verpackungsunternehmen, Schrotthändler, Handwerker oder Mitarbeiter in Wäschereibetrieben. Neben der Öffentlichkeitsarbeit und dem aktuellen Stand der Broschüre für das Gütesiegel Grundbildung standen auch Fortbildungsangebote für die Grundbildungsreferenten auf der Agenda. Dr. Sabine Schwarz und André Hamann von „Lernende Region Netzwerk Köln e.V.“ stießen auf großes Interesse mit ihrem Workshop-Konzept zur Unterstützung bei der Gestaltung von Grundbildungsangeboten. Im Rahmen des Quartalstreffens im BWNRW, wurden die Fortschritte im Projekt AlphaGrund deutlich. Das nächste Treffen findet zu Beginn des kommenden Jahr im Bildungswerk der Wirtschaft Mecklenburg Vorpommern (BdW) in Hasenwinkel statt.

2. Grundbildungstag NRW: Arbeitsplatzorientierte Grundbildung fördern!

Landesregierung und Sozialpartner engagieren sich für arbeitsplatzbezogene Grundbildung und Alphabetisierung im Betrieb

Das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e.V. (BWNRW), Arbeit und Leben DGB/VHS NRW e.V. sowie das DGB-Bildungswerk NRW e.V. haben gemeinsam am 14.11.2016 in Mülheim an der Ruhr den „2. Grundbildungstag NRW“ ausgerichtet. Im Fokus der Veranstaltung, an der rund 200 Akteure aus der Weiterbildungslandschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite teilnahmen, stand in diesem Jahr unter dem Motto „Praktisch!“ die Praxis arbeitsplatzbezogener Grundbildung und Alphabetisierung im Betrieb. Ministerin Sylvia Löhrmann und Arbeitsminister Rainer Schmeltzer hoben mit den Sozialpartnern die hohe Bedeutung von Alphabetisierung und Grundbildung als wesentliche Voraussetzungen individueller Beschäftigungsfähigkeit hervor und stellten eine gemeinsame Erklärung zur Förderung der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung vor.

Weiterbildungsministerin Sylvia Löhrmann erklärte: „Nur wer ausreichend lesen und schreiben kann, ist auch in der Lage, sich persönlich und beruflich weiterzubilden und gesellschaftlich teilzuhaben. Um die Alphabetisierung und Grundbildung zu stärken, baut die Landesregierung auf ein breites Bündnis. Wir nehmen durch die Allianz mit den Sozialpartnern eine Vorreiterrolle bei der Förderung der arbeitsplatzorientierten Grundbildung ein. Außerdem fördert die Landesregierung das landesweite Alphanetz NRW und hat die Weiterbildungsmittel, die auch für Maßnahmen der Grundbildung genutzt werden können, insgesamt verstärkt: Im aktualisierten Haushaltsentwurf 2017 sind für die Einrichtungen der gemeinwohlorientierten Weiterbildung zusätzlich weitere rund fünf Millionen Euro jährlich bis 2019 vorgesehen.“

Arbeitsminister Rainer Schmeltzer unterstrich: „Wir werden die Aufgabe nur als Verantwortungsgemeinschaft angehen können: als Allianz aus Arbeitgebern, Bildungseinrichtungen, Gewerkschaften und Politik. Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, fühlen sich häufig ausgeschlossen, denn in der modernen technik- und dienstleistungsorientierten Arbeitswelt sind diese Fähigkeiten das Fundament für gesellschaftliche Teilhabe und sichere Beschäftigung. Beschäftigte mit Grundbildungsbedarf brauchen daher besondere Unterstützung und Förderung. Gerade auch angesichts der zunehmenden Digitalisierung brauchen wir passgenaue Bildungsangebote, die arbeitsorientiert und berufsorientiert direkt in den Betriebsalltag integriert werden. Grundbildung ist so nicht zuletzt ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung.“

Dietmar Meder, Vorsitzender des Bildungswerks der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e.V., betonte, dass arbeitsplatzorientierte Grundbildung, wenn sie bedarfsorientiert umgesetzt wird, ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung in den Betrieben sein könne. „Wir werben bei den Arbeitgeberverbänden und Unternehmen dafür, das Thema auf die Agenda zu setzen und entwickeln bedarfsgerechte, arbeitsplatznahe Grundbildungsangebote.“ Dr. Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende des DGB-NRW, unterstrich: „Auch die Interessenvertretungen in den Betrieben und Dienststellen stehen in der Verantwortung, Betroffene im Konsens mit den Verantwortlichen im Betrieb anzusprechen und zu begleiten. Wir unterstützen sie dabei mit entsprechenden Angeboten.“

Mangelnde Grundbildung ist eine Herausforderung für Personalverantwortliche und Interessenvertretungen in Betrieben. Nicht zuletzt mit Blick auf den demografischen Wandel und die Sicherung des Fachkräftebedarfs gewinnt daher die Förderung der arbeitsplatzorientierten Grundbildung als ein Baustein für die betriebliche Weiterbildung an Bedeutung. Diesbezüglich hat der „2. Grundbildungstag NRW“ mit der Präsentation erfolgreicher Beispiele aus der betrieblichen Praxis neue Impulse gesetzt. Da sich Grundbildungsangebote auf betrieblicher Ebene nur im Konsens und durch Zusammenarbeit der Betriebsparteien realisieren lassen, haben die Sozialpartner und die Landesregierung auf dem Grundbildungstag eine gemeinsame Erklärung zur Förderung der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung vorgestellt. Auf dieser Grundlage wollen sie ihre Aktivitäten im Rahmen einer Allianz für Grundbildung gemeinsam weiter entwickeln.

Nach Schätzungen gelten in Nordrhein-Westfalen rund 1,5 Millionen Menschen als funktionale Analphabeten, in ganz Deutschland etwa 7,5 Millionen. Mehr als vier Millionen davon sind erwerbstätig. Die Betroffenen haben oftmals Schwierigkeiten, in vollem Umfang am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Zudem sind sie bei zunehmenden Anforderungen in der Arbeitswelt tendenziell stärker von Arbeitslosigkeit bedroht.

Mit dem „Grundbildungstag NRW“ hatte die Landesregierung vor zwei Jahren gemeinsam mit Sozialpartnern, Arbeitgebern, betrieblichen Interessenvertretungen sowie Institutionen aus der Weiterbildung eine gemeinschaftliche Plattform zur Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung geschaffen. Der Grundbildungstag ist eine Plattform, um gemeinsam praxistaugliche Möglichkeiten für eine adressaten- und bedarfsgerechte arbeitsplatzbezogene Grundbildung zu diskutieren. Gefördert wird der Grundbildungstag vom Ministerium für Schule und Weiterbildung und dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF).

Weitere Informationen unter:
www.grundbildungstag.nrw

Download:

Gemeinsame Erklärung der Sozialpartner und der Landesregierung

Presseerklärung MSW – MAIS