AlphaGrund-Infostand auf der 47. Mitgliederversammlung des Bildungswerks der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V.

Auf der 47. Mitgliederversammlung des Bildungswerks der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. (BWNRW) im Juli 2017 war auch Bildungsreferentin Aida Arzhang mit einem AlphaGrund – Infostand vertreten. Zu den zahlreich geladenen Gästen im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung zählten Verbandsmitarbeiter, Netzwerkpartner, Mitgliedsunternehmen, Gewerkschaftsvertreter, Ministerien, Kammern und Schulvertreter. Die rund 75 anwesenden Gäste erhielten im Rahmen der Veranstaltung die Möglichkeit, sich am AlphaGrund-Infostand über die Grundbildungsangebote des BWNRW sowie über die Fördermöglichkeiten für Unternehmen und Mitarbeiter im Rahmen des Projektes AlphaGrund zu informieren. Als Hauptreferent hielt Dirk Werner vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln einen Vortrag, mit dem Titel „Die Digitalisierung des Lernens – Potenziale der digitalen Bildung für die betriebliche Qualifizierung“. Die Mitgliederversammlung sowie der anschließende Gedankenaustausch bei einem gemeinsamen Imbiss boten einen guten Rahmen, um auf die Projektangebote aufmerksam zu machen.

 

Grundbildung am Arbeitsplatz in der Dienstleistungsbranche: Textilpflege Weber aus Krefeld

„Wir sind als Familienunternehmen bereits seit über 50 Jahren in der Textilpflegebranche tätig. Inzwischen sind wir mit vier Filialen im Kreis Krefeld vertreten und beschäftigen aktuell 35 Mitarbeiter/-innen. Mit den aktuellen Schwierigkeiten des Dienstleistungssektors haben aber auch wir zu kämpfen. Die Arbeitsbedingungen in unserer Branche sind auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv: Öffnungszeiten wie im Einzelhandel, inklusive Samstagsarbeit, meist Einfacharbeitsplätze, die keine Ausbildung voraussetzen und die relative geringe Entlohnung. Dies sind nur einige Faktoren, die zu Mitarbeiterfluktuation führen. Neue motivierte Mitarbeiter zu finden ist aber schwierig.“ schildert Christoph Weber, Junior-Geschäftsführer der Firma Weber, die aktuelle Unternehmenssituation.

Christoph Weber hat vom Angebot der arbeitsplatzorientierten Grundbildung erfahren und sich an das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. (BWNRW) gewandt: „Unser Ziel ist es, die Ursachen für die Fluktuation herauszufinden, die Arbeitsbedingungen wie auch das Betriebsklima zu verbessern und die Flexibilität und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhöhen. Können arbeitsplatzorientierte Grundbildungsschulungen hier helfen?“

Bereits im ersten Beratungsgespräch wurde schnell klar, dass arbeitsplatzorientierte Grundbildung (AoG) auch kleinen Unternehmen viele Möglichkeiten bietet. AoG umfasst neben der Förderung von sprachlichen und schriftlichen Grundkompetenzen auch die Verbesserung von sozialen und kommunikativen Grundfertigkeiten, wie Teamfähigkeit und Selbstorganisation. Die Zielgruppe sind Erwerbstätige ohne oder mit einem arbeitsplatzfremdem Berufsabschluss, deren Grundkompetenzen für die Anforderungen des Arbeitsplatzes nicht ausreichen.
Nach einer umfassenden Bedarfsanalyse im Unternehmen (Fragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit und Qualifikationen, Team- und Einzelgespräche) zusammen mit unserer AoG-Trainerin Christiane Houben wurden folgende Störfaktoren identifiziert:

  • die Einarbeitung ständig neuer Mitarbeiter,
  • das zu geringe Fachwissen bei einigen Kollegen (evtl. bedingt durch eine zu kurze bzw. unvollständige Einarbeitung),
  • unvollständiger Informationsfluss unter den Kollegen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse und/oder unterschiedlicher Arbeitszeiten im Schichtsystem,
  • keine klare Kommunikation von Zuständigkeiten,
  • interne Konflikte, die nicht vollständig gelöst wurden u.a.

Die Qualifikationsanalyse ergab zusätzlich, dass fast die Hälfte der Beschäftigten keinen Berufsabschluss hat und ein Drittel der Mitarbeiter weniger als drei Jahre im Unternehmen sind. Die meisten Beschäftigten der Firma Weber gehören somit zum Kreis der geringqualifizierten Erwerbstätigen, die bei Verlust ihres Arbeitsplatzes häufig von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind.

Um die verschiedenen Störfaktoren im Betrieb zu beheben und die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu sichern, wurden vom BWNRW zwei Grundbildungsschulungen konzipiert:

  1. Arbeitsplatzorientierte Deutschkenntnisse und Alphabetisierung: Verbesserung berufsbezogener sprachlicher und schriftlicher Kompetenzen; 1 x pro Woche je 2 UE (1,5 h), Teilnahme freiwillig nach der Arbeitszeit;
  2. Grundlagen der Kommunikation im Team und im Service: Grundlagen der Kommunikation mit Kunden, Umgang mit Reklamationen, Vermeiden von Missverständnissen und Lösen von Konflikten im Team, Förderung von kommunikativen und kooperativen Fähigkeiten und Fertigkeiten; ca. 35 Teilnehmer/-innen, Schulungen mit unterschiedlichen Arbeitsteams in den jeweiligen Filialen, Durchführung flexibel je nach Bedarf, je 2 UE (1,5 h), Teilnahme verpflichtend und während der Arbeitszeit.

Die Durchführung der ersten Maßnahme erforderte am Anfang einige sensible Gespräche von Seiten der Geschäftsleitung mit den potentiellen Teilnehmer/-innen. Die Angst vor Weiterbildungsmaßnahmen ist bei Personen mit unzureichenden sprachlichen Kenntnissen oftmals sehr groß. Die ersten zwei Schulungen fanden daher im Rahmen der Arbeitszeit statt. Dies genügte um die Teilnehmer/-innen von der Effektivität der Schulung zu überzeugen, die nun sehr engagiert und motiviert an der Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse arbeiten.
Auch die regelmäßigen Teamsitzungen, die in den jeweiligen Filialen eingeführt wurden, z. T. nach Aufgabenbereichen getrennt (Themen je nach Bedarf: allgemeine Informationsvermittlung, z. B. zum Thema Kommunikation, Krisenintervention, Anliegen/Bedürfnisse der Mitarbeiter sowie der Chefetage) sind sehr produktiv. Die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt und die Bereitschaft, die Arbeitskraft motiviert für den Betrieb einzusetzen, ist ebenso gestiegen wie die Identifikation mit dem Betrieb.

Christoph Weber ist positiv überrascht: „Ich habe nicht erwartet, dass bereits nach drei Monaten solche Veränderungen eintreten. Seit Beginn der Schulungen haben wir keinen Mitarbeiter mehr verloren. Die Bereitschaft, für fehlende Mitarbeiter einzuspringen und die Arbeitszeit anzupassen, wenn es gerade personell eng ist, ist gestiegen. Das Betriebsklima hat sich sehr verbessert. Der Krankheitsstand und die Fehlzeiten sind gesunken. Die Betriebsabläufe wurden optimiert. Ausgewählte Mitarbeiter werden als eine Art Vorarbeiter eingesetzt, die die Filialleitung im Arbeitsalltag entlasten.

Die Kommunikation untereinander ist reibungsloser, das Verständnis für den Anderen ist gestiegen. Auch ich als Leitung habe dazugelernt, verstehe meine Mitarbeiter und deren Bedürfnisse besser. Die gemeinsamen Termine haben die Teambildung verstärkt und die Mitarbeiter und auch mich sehr motiviert.

Es kostet den Betrieb, trotz der Förderung im Rahmen des Projektes, vor allem zu Beginn der Maßnahme viel Energie, diese durchzuführen (Organisation, Freistellung von Mitarbeitern mit zum Teil Stillstand des Betriebs je nach Schulung). Wichtig ist, dass alle Ebenen sich daran beteiligen, auch ich als Leitung bin gefordert. Eine genaue Bedarfsanalyse ist für den Erfolg von arbeitsplatzorientierter Grundbildung eine wichtige Grundlage. Wichtig ist auch die Passung zwischen dem Unternehmen und dem Coach, der die Maßnahme begleitet. Mein Fazit: Der Einsatz lohnt sich für beide Seiten.“

 

Bild links: Geschäftsführer Hans-Willi Weber und Christoph Weber, Textilpflege Weber

Bild rechts: Christiane Houben, Trainerin für arbeitsplatzorientierte Grundbildung und Christoph Weber, Textilpflege Weber